Adamou und Eliaz
Eliaz, Sohn französischer Eltern, in München geboren und großgeworden, hatte nach dem Studium zwei Jahre in San Francisco gelebt. Dort hat er Menschen, die aus Zentralamerika als Einwanderer in die USA gekommen waren, auf den Einbürgerungstest vorbereitet. Eine wichtige Hilfe für viele.
"Vielleicht, nein ganz sicher, ist eine Vormundschaft für minderjährige Flüchtlinge eine ähnlich große Unterstützung und hilft den jungen Flüchtlingen, sich nach ihrer Flucht ein Leben aufzubauen." So dachte Eliaz und nahm Kontakt mit akinda auf, um sich darauf vorzubereiten, Vormund zu werden.
Die Schulungen haben ihm sehr geholfen, sagt er. Sie seien eine fundierte Vorbereitung auf die neue und unbekannte Verantwortung gewesen.
2014 lernte Eliaz Adamou aus Burkina Faso kennen, der auf verschlungenen und schweren Wegen nach Deutschland gekommen war.
Als sich Eliaz und Adamou kennenlernten, stand dem Jungen das Altersfeststellungsverfahren noch bevor und er hatte Angst davor.
Vier Monate dauerte es wegen dieser umstrittenen Prozedur, bis Eliaz als Vormund bestellt werden konnte. Aber dass sie sich gut verstehen würden, das habe man schon viel früher gewusst, sagt er.
„Wir haben uns getroffen, waren in Berlin unterwegs und haben miteinander geredet. Adamou war bis dahin noch nie aus Wedding rausgekommen. Ich habe ihm ein bisschen die Stadt gezeigt. Er hat angefangen, Fußball zu spielen, geht inzwischen einmal in der Woche schwimmen und tanzt begeistert Breakdance.“
In seinem Heimatland war Adamou nur ein paar Jahre zur Schule gegangen. Inzwischen besucht Adamou eine Willkommensklasse und Eliaz hofft, dass sich bald ein Platz in einer Regelklasse für ihn findet.
Eliaz weiß, dass Adamou nach hiesigen Vorstellungen integriert sein muss, um sich hier eine Zukunft aufbauen zu können. Dafür sind ein Schulabschluss und eine Ausbildung dringend notwendig.
Aber die beiden sprechen nicht nur über die Schule. Durch Eliaz hat Adamou das Thema Film für sich entdeckt. Mit Eliaz' Freundin, die visuelle Anthropologie studiert, macht er gerade ein Filmprojekt. Über ihn, seinen Alltag, sein Ankommen und sein - hoffentlich - Hierbleiben.
Text: Kathrin Gerlof / Bilder: Rico Prauss